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Chapter 1

"Nein!", schrie ich. "Nein, das kann einfach nicht sein! Ich bin NICHT schwanger!" Mit wilden Geärden versuchte ich, meinen Worten Nachdruck zu verleihen. Warum wollten sie mir alle nicht glauben? Wer hatte ihnen denn diesen Floh ins Ohr gesetzt?

Ich rannte so schnell ich konnte aus dem Haus, blickte nach links und rechts, um mich zu orinentieren. Wo war ich  hier? Das Haus, in welchem ein Bett mit weißen Bettbezügen und ein PC standen, war mitten in einer waldigen Schlucht. Hier war sonst nichts. Kein Haus, keine Straße. Wie angewurzelt blieb ich stehen. Die Menschenmasse, die sich erst um mein Bett geschart hatte, wälzte sich langsam aus dem Haus in meine Richtung. Wer waren diese Menschen? Ein paar bekannte Gesichter waren schon darunter. Am erschreckensten war, meine Mutter und meine Großmutter waren unter diesen Leuten. Und sie - selbst sie - waren der festen Meinung, ich sei schwanger. Schwanger sein. Welch ein Alptraum! Wie kommen sie auf die Gedanken?

"Hör auf, komm her! Du musst dich hinlegen und ausruhen. Es ist nicht mehr lange bis zur Geburt.", meinte ein älterer Herr in schwarzem Anzug und Zylinder. Ich muss hier weg, schießt es mir durch den Kopf und ich renne weiter. Wenn doch nur jemand hier wäre, der mir glaubt und es den anderen klar machen könnte... 

"Syrian!", warum bin ich nicht schon früher auf den Gedanken gekommen? Prompt drehe ich mich herum und renne wieder zurück zum Haus. Kaum dort angekommen setze ich mich an den PC und versuche, meinen Freund Syrian im Chat zu erreichen. Ein Wunder - er ist da! Schnell tippe ich mit fahrigen Fingern mein Problem ein und sende ihm einen Hilferuf - schon umringen mich wieder die mutmaßlichen Familienangehörigen. Sie wollen mich ins Bett ziehen, doch ich winde mich und schreie, dass ich schon selbst weiß, was zu tuen sei. Insgeheim hoffe ich, dass Syrian bald da ist, um sie alle zur Vernunft zu bringen. 

"Gut, dass du endlich vernünftig geworden bist und nun auf uns hörst, wir wollen doch nur dein Bestes.", sagt meine Großmutter lächelnd, als sie mich mit sanfter Gewalt ins Bett drückt und zudeckt. "So eine Geburt ist nicht immer ganz einfach, ich weiß, wovon ich rede, ich habe fünf davon hinter mir...", doch ich höre längst nicht mehr zu. Ich füge mich nun zeitweise meinem Schicksal, hoffe auf baldige Rettung. 

"Yoa!" - ich  schaue zur Tür um zu sehen, wer mich da gerufen hat. Er ist es! Syrian, denke ich glücklich und rapple mich etwas auf, will ihm schon dankbar in die Arme sinken als ich feststelle, dass es leider nicht Syrian ist. Es ist nur ein weiterer Familienangehöriger, der ihm sehr ähnelt. Der Alptraum scheint kein Ende zu nehmen und ich kämpfe mich erneut aus den Decken, um aus dem Haus zu laufen.

Draußen begegnen mir Gestalten in weißen Kitteln. "Haltet sie auf! So viel Aufregung vor eimem Kaiserschnitt ist schädlich für Mutter und Kind!", rufen wie mir hinterher, doch ich kann knapp den Händen entkommen und schlage mich in weniger wegsames Gelände, um die Meute abzuhängen.

Büsche, Bäume, ein kleiner Bach - alles das fliegt förmlich an mir vorbei und plötzlich steht er vor mir, winkt mich zu sich - Syrian. Endlich - oder doch nur wieder ein Trugbild? "Komm hier her, ich bin es! Schnell!", die Stimme erkenne ich doch sofort. Und es ist wahr, er ist es wirklich. Er überredet mich, zu dem Haus und den Menschen zurück zu gehen, um endlich alles auf zu klären.

"Die können dir doch nicht einfach den Bauch aufschneiden!", meint er grimmig. "Das werde ich zu verhindern wissen."

Als wir zum Haus kommen, stehen die Weißkittel grimmig vor mir. Die ganze Familie schart sich um mich und dann geht das Donnerwetter los: "Was fällt dir eigentlich ein?", "Wie stellst du dir das vor?", "Wie kannst du es wagen", und viele andere Vorwürfe waren dabei.

Ich wusste nicht, woran ich jetzt schon wieder Schuld war, aber so lief das schon, seit ich klein war. Yoa war hier ran schuld, daran auch und - ach das hat sie auch wieder falsch gemacht! 

"Wie kannst du uns einfach weiß machen wollen, dass du schwanger und kurz vor der Entbindung bist, wenn es doch gar nicht wahr ist?", klagte mich meine Mutter an. Syrian hielt mich fest im Arm, doch ich kämpfte mich frei. 

"Wer wollte hier wem bitte den Bauch aufschneiden?!", brüllte ich. Nun ließ ich meinem Zorn freiem Lauf: "Ich habe nie behauptet, schwanger zu sein! Und außerdem - es geht euch ja wohl nichts an, was in meinem Bauch ist oder nicht. Denkt ihr, ich würde es euch - gerade euch - auf die Nase binden? Eher würde ich Seife essen!"

Meine Großmutter trat, rot vor Wut, vor und rief: "Du undankbares Miststück! Wie kannst du nur... ich sollte... ich werde...", doch irgendwie fiel ihr kein richtiges Ende für diesen Satz ein. 

"Es ist mir scheißegal, was du denkst. Es ist mir scheißegal, was ihr alle denkt!", schrie ich mit einem Blick in die Runde. "Und jetzt verpisst euch! Alle samt!!"

Voller Empörung starren mich die Leute an, ziehen gereizt ihre Wintermäntel wieder an und stapfen langsam, Einer nach dem Anderen, fort.

"Bitte... lass uns gehen, schnell!", bitte ich Syrian, der mich genau so erstaunt ansieht. Eigentlich kennt er mich nicht so. Nicht aufbrausend, oder zornig. Ich bin immer ein ruhiger Mensch, der oft einsteckt, aber eigentlich nie austeilt.

"Klar. Kann ich gut verstehen. Komm, gehen wir da rüber...", meint er und führt mich am Bach entlang, bis wir zu einer Straße kommen. Wir reden nicht. Aber er drückt mich beim gehen nah an sich und es tut mir gut zu wissen, dass jemand da ist für mich.

"Danke.", sage ich leise, als wir endlich den großen Spiegelsee erreichen und stehen bleiben. "Hey, dafür bin ich doch da.", sagt Syrian lächelnd und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Was war das eigentlich für ein Alptraum, was sollte das alles?", traut er sich nun endlich zu fragen. "Es... ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum alle dachten ich sei schwanger und mir den Bauch aufschneiden wollten. Ich weiß nur, dass ich Angst habe. In letzter Zeit passieren so komische Sachen... Syrian, ich...", doch weiter kam ich nicht.

Schweiß gebadet und mit einem unguten Gefühl wachte ich auf. Ein Traum? 

Die Sonne stand schon recht hoch, ich musste lange geschlafen haben. Ich verließ das Bett und zog mich an, packte meine kleine Tasche mit allem Nötigem und beschloss, Syrian zu kontaktieren. 

Ich setzte mich also an den PC, öffnete den Chat und schrieb:

 

Hi Syr,

ich weiß, das kommt jetzt komisch rüber, aber ich muss dich sofort sehen! Ich habe etwas sehr komisches geträumt, über das ich gerne reden möchte... 

Liebe dich!

Yoa

 

>Fortsetzung folgt<

 

4.9.08 16:35


Chapter 2

10 Minuten später wartete Syrian schon am Treffpunkt, dem alten Brunnen. Es war ein schönder, großer Brunnen, mit vielen Skulpturen, die durch die Eiszapfen, die daran hingen, einen surrealen Touch bekamen.

"Hey, Yoa, ich hab deine Nachricht gelesen und machte mir Sorgen, was ist denn passiert?"

Als ich Syr begrüßt hatte und mich insgeheim vergewissert hatte, nicht zu träumen, erzählte ich ihm die ganze Geschichte. Als ich endlich geendet hatte, schaute Syr mich mit großen Augen an. 

"Deswegen also machst du dir solche Sorgen? Ach Yoa, so kenne ich dich ja gar nicht", meinte er lächelnd. Auf meinen fragenden Blick hin, antwortete er: "Sonst nimmst du doch keinen Traum so ernst. Du bist immer ein richtiger Realitäts-Mensch. Dass du überhaupt träumst."

"Soll das heißen, dass du... es lächerlich findest?", fragte nun ich entsetzt. Was wollte er damit nun sagen? Doch sein plötzlicher Mienenwandel von einem Lächeln zu einem furchtbar ernstem Gesicht unterbrach meine Gedanken.

"Nein, so meinte ich das nicht.", sagte Syr nun und rückte etwas näher zu mir, umarmte mich fest und flüsterte dann: "Ich dachte schon, du wolltest mir einen Bären aufbinden. Aber wie könntest du... du könntest ja nicht wissem dass..." 

"Dass was?", fragte ich nachdrücklich. "Dass ich diesen Traum mit dir anscheinend irgendwie... geteilt habe." Seine Stimme war am Ende des Satzes sehr brüchig und ich konnte verstehen warum. Ich schmiegte mich in seine Arme und versuchte ihn zu beruhigen, obwohl es mir selbst sehr unheimlich vorkam: "Das war alles nur Zufall. Wir beide kennen uns einfach so gut und wir haben vielleicht... eine ganz besondere Art von Bindung zwischen uns. Das ist alles. Nun, komm und setz dich mal hin.", meinte ich und wir ließen uns auf dem Steinrand des Brunnens wieder. 

Hier saß ich gern. Von hier konnte man die Menschen, die in der Stadt Tag für Tag herum wuselten beobachten, die Veränderungen des alten Baums im Laufe der vier Jahreszeiten und die der Ortschaft drum herum verfolgen.

"Warum. Ich meine: Warum träumen wir den selben Traum? Warum tauchst du plötzlich auf und erzählst mir davon, dass du von mir geträumt hast, wenn ich dir erzählen wollte, dass ich von dir geträumt habe? Und es anscheinend auch noch die gleiche Begebenheit war?", Syr konnte es genau so wenig fassen wie ich. Doch ich musste rational denken. Es musste eine ganz normale Erklärung dafür geben. 

"Syr, hör mal. Das ist eine sache gewesen, die kann vielleicht mal in äußerst seltenen Fällen vorkommen. Aber lass uns deswegen nicht verrückt werden, ja?", frage ich und sah ihn dabei lächelnd an. "Na gut", lächelte Syrian zurück. "Vielleicht hast du recht. Es ist zwar komisch, aber wer weiß? Wahrscheinlich war es einfach nur Glück. Oder so was ähnliches."

Wir saßen noch eine Weile auf dem brunnen und redeten über dies und das, beschlossen dann aber, lieber wieder ins Warme zurück zu kehren. So kam er noch auf einen Sprung mit zu mir und wir wärmten uns bei einer heißen Tasse Schokolade wieder auf.

"Danke.", sagte Syrian und ich erwiederte, dass er sich doch nicht bedanken müsse, ich sei schließlich dafür da mich um ihn zu kümmern, als seine Freundin. Lächelnd küsste er mich. "Und genau deshalb möchte ich dir danken. Weil du meine Freundin sein möchtest."

Dann rief leider die Pflicht und Syrian musste sich auf den Weg nach Hause machen, wo er gerade eigentlich noch mitten in Modernisierungsmaßahmen steckte. Syrian war immer der Erste, wenn es darum ging, Neues auszuprobieren. Im Moment hieß das: Monitore in Rahmen fassen und in Schränke udn Wände integrieren, Softwareupdates für seine Systeme beschaffen und sich darum kümmern, dass die Perioherie an Ort und Stelle war.

Ich verbrachte viel Zeit am Pc, um ihm möglichst nahe zu sein, denn das Netz war eine der einfachsten Möglichkeit, mit ihm in Kontakt zu bleiben.

An jenem Abend ließ ich mich beruhigt und erschöpft in mein Bett fallen und dämmerte ein...

 

>Fortsetzung folgt< 

5.9.08 22:56


Chapter 3

Ein jäher Schrei weckte mich auf und ließ mir das Adrenalin durch die Adern schießen.Wer schrie da - und vor allem, was war passiert?

Ich stürtzte zum Fensterund blickte hinaus, suchte nach der Quelle des Schreis. Die Straße war Schneebedeckt, es hatte wohl in der Nacht erneut geschneit. Unter der Schneedecke war es jedoch spiegelglatt, an einigen Stellen mehr als an anderen. Das hatte der Fahrer wohl unterschätzt.

Ein Kleinwagen stand quer und zur Seite gekippt auf der Fahrbahn, die Spuren im Schnee verreiten, dass sie das Auto mehrere Male um sich selbst gedreht haben musste während der Fahrer die Kontrolle verlohren hatte. Das passierte bei diesem Glatteis schon bei geringen Geschwindigkeiten, wie ich selbst schon schmerzlich erfahren musste. Meine Knie schmerzten wieder. Immer, wenn Winter war. Doch besonders jetzt.

Es war vor 2 Jahren, ich hatte gerade die Fahrlizenz bekommen. Da ich im Winter Geburtstag habe, vielen die ersten Fahrten ebenfalls in diese Zeit. Ich war sehr vorsichtig, doch nach 2 Monaten wurde es angsam Frühling und mit der Natur erwachte auch meine Wagemutigkeit. 

Eines Abends zog es doch noch an, es wurde bitter kalt, aber mir viel das nicht weiter auf. Ich dachte nur daran, schnell nach Hause zu fahren. Als ich dann in einer Kurve ins Schleudern kam, hatte ich verloren. Ich hätte mit etwas Schlimmeren gerechnet, als einer minder schwere Verletzung.

Als ich gegen den Baum prallte, schob sich das Interieur des Autos zusammen und klemmte mich ein - meine Beine steckten so schwer fest, dass sie freigeschnitten werden mussten. Ich erlebte das alles wie durch einen Schleier hindurch, stand wohl unter Schock. Schmerzen hatte ich erst, als ich im Krankenhaus wieder aufwachte. Meine Kniescheiben hatten einiges abbekommen und meine Beine sollten eine Weile nicht bewegt und belastet werden. So saß ich 3 Monate im Rollstuhl und nach einem guten halben Jahr konnte ich erst wieder richtig Laufen und die Beine uneingeschränkt bewegen. 

Diese Erinnerungen scheinen in meinen Knieen gespeichert worden zu sein - seither spürte ich sie jeden Winter schmerzen. Sonst war es nur  ein leichter Schmerz, heute jedoch, beim Anblick dieses Unfalls, wurde er stärker.

Ich eilte hinunter, zog rasch Schuhe an und meinen Mantel über, rannte zu dem Auto. Die ganze Straße war still, der Schnee fiel immer noch sanft und in kleinen Flöckchen. Irgendwie war es fast zu ruhig. Die Nachbaren hätten den Unfall mitbekommen müssen. Doch keiner Kam um zu helfen. 

Ich näherte mich also dem Auto. Keine der möglichen Türen stand offen, also mussten sich die Insassen, wenn es denn mehrere waren, noch im Auto befinden.  Ich tastete nach  dem Türgriff, stemmte mit großer Mühe die Tür auf, und spähte hinen.

"Hallo?", les überraschte mich selbst, wie leise und zitternd meine Stimme war. Ich räusperte mich. "Hallo?", diesmal kräftiger.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass niemand in dem Auto war. Wie hätte eine Person das Auto verlassen können - es hatte sich nichts bewegt, keine Tür war aufgegangen und nichts. Außerdem: Im Schee um mich herum sah ich nur meine eigenen Fußspuren. Ich fasste mir ein Herz und kletterte vorsichtig ein Stück in das Auto, um auch die Rückbank richtig einzusehen. 

Ich hatte erwartet, dass dort eine Person, vielleicht ohnmächtig, zu finden gewesen wäre. Doch wieder - Nichts.

Ich sah mich um, dann wurde ich unruhig. Warum war hier niemand?

Schnell kletterte ich wieder heraus und kramte in meiner Tasche nach dem Handy. Natürlich hatte ich nicht daran gedacht und es lag immer noch in meinem Zimmer, aus dem ich überstürzt hinausgerannt war. Ich ging also schnell zurück. In meinem Zimmer angekommen, geschah etwas Merkwürdiges:

Ich taumelte, es war als hätte ich einen plötzlichen Druck auf den Ohren, es wurde mir schwarz vor Augen und kippte kurzerhand um.  Nicht lange danach, so schien es mir, erwachte ich. Griff nach dem Handy und rief die Polizei.

>fortsetzung folgt<

10.9.08 11:34


Chapter 4

"Ja Hallo? Kommen Sie bitte schnell - hier... hier hat ein Autounfall statt gefunden. Ja. Nein, ich... ich konnte keine Verletzungen sehen, da war niemand! Ja - vielleicht... vielleicht schon rausgeklettert oder so..."

Als ich dem Polizeibeamten auf der anderen Seite der Leitung alles soweit erklärt hatte und die üblichen Angaben hinter mich gebracht hatte, ließ ich das Telefon sinken und starrte aus dem Fenster. 

Eigentlich war es ein schöner Wintertag, jedoch mit solch einem Start... nein, das war kein gutes Zeichen. 

Minuten später hörte ich Polizeisirenen und lief schnell vor die Tür, um zu sehen, ob sie die Insassen des Wagens finden konnten. Doch als ich die Tür öffnete, standen die Polizisten, ein Mann, groß, dunkelhaarig, braune Augen und eine Frau, ebenfalls hochgewachsen, blond, grünäugig, direkt vor mir.

"Was haben Sie sich gedacht?", fährt mich der Mann an. "Ich... ich  verstehe nicht...?", frage ich verstört nach dem Hintergrund der Situation. "Was haben Sie sich gedacht, uns einfach so zu rufen? Wo ist jetzt dieser ominöse Unfall?", stimmte nun auch Frau in den ärgerlichen Tonfall mit ein. 

Ich lehnte mich zur Seite um an die Stelle des Unfalls zu sehen, doch dort war nichts. Rein gar nichts. Kein Auto, keine Reifenspuren, einfach nichts. 

"Ich verstehe das nicht.", sagte ich mehr zu mir selbst als zu den Beamten. "Wir auch nicht. Wir müssen Ihnen eine Verwarnung erteilen und die Fahrt in Kosten....", doch ich hörte ihm nicht zu. Ich betrachtete die Straße, schaute nach links und nach rechts, doch nichts war weit und breit zu erkennen. 

Ich konnte es nicht fassen! Halluzinierte ich jetzt schon? Hatte ich das alles nur geträumt? Ich hatte einfach keine Ahnung. Gerade als sie die Beamten mehr oder weniger abgeregt hatten, sich verabschieden wollten und sich schon zum Gehen drehten, passierte es: 

Eine junge Frau in einem Kleinwagen viel mir auf. Sie fuhr mit angpasster Geschwindigkeit die Straße entlang, war noch recht weit entfernt. Ich beobachtete sie und es erschien mir wie in Zeitlupe - alles war so langsam und seltsam gedämpft, als sähe und hörte ich alles wie unter Wasser. 

Der Wagen der Polizisten, zu dem die beiden Beamten gerade zurückkehrten stand auf Grund der Hektik, die sie vorher an den Tag gelegt hatten um rechtzeitig da zu sein, etwas schräg und ungeschickt auf der Straße. Die junge Frau war abgelenkt, es sah aus als wären ihre Scheiben beschlagen. Sie beugte sich rechts über ihre Konsole und versuchte wohl, das Gebläse richtig einzustellen. Da geschah es. Sie sah das Polizeifahrzeug zu spät und musste ruckartig ausweichen - sie geriet ins Schleudern und der Wagen prallte mit der Seite auf die Fahrbahn, wo er sich weiter drehte und irgendwann stehen blieb. Genau so, wie ich es zuvor schon gesehen hatte. Die Polizisten standen da wie eingefrohren und auch ich konnte es nicht fassen. In etwa gleichzeitig fassten wir uns wieder und rannten alle drei zum Unfallauto.

Die junge Frau konnte geborgen werden, es war gut, dass die Polizei gleich zur Stelle war. Nachdem der Krankenwagen mit der Fahrerin gen Krankenhaus unterwegs war, kamen die Polizisten nochmals auf mich zu.

"Woher wussten Sie das? War das der Unfall, wegen dem Sie uns gerufen hatten?" Ich konnte es selbst nicht glauben, aber so war es. Die Beamten schienen ebenfalls recht mitgenommen zu sein, als sie sich bedankten, die Sanktionen wegen des "falschen" Polizeirufs wieder zurücknahmen und anschließend mit einem misstrauischen Blick auf den Unfallort davon fuhren.

>fortsetzung folgt<

 

11.9.08 11:07


Chapter 5

Da stand ich nun. Alleine, in meinen Mantel gehüllt und im Schnee. Es fröstelte mich, doch nicht die Kälte war daran schuld. Ich zückte das Handy, als ich wieder im Haus war. An einen ruhigen Morgen war nun nicht mehr zu denken.

"Woher... ich meine wie...?", stammelte Syrian, nachdem ich es ihm berichtet hatte. "Das kann doch nicht sein...". 

Er konnte es auch nicht fassen. Verständlich. Erst wird er von seiner Freundin morgens geweckt und bekommt dann auch noch so eine haarsträubende Geschichte aufgetischt. 

"Ich weiß", antwortete ich. "Ich finde es ja ebenso komisch. Eigentlich schon recht unheimlich. Doch ich kann es leider auch nicht erklären. Sry, werde ich verrückt?", fragte ich aus lauter Verzweiflung. "Nein. Nein das denke ich nicht.", meinte Sryian darauf. "Ich weiß zwar nicht, wie du das wissen konntest, aber mit Verrücktsein hat das sicher nichts zu tun. Sicher.", versuchte Syrian  mich zu überzeugen. Er war sehr fürsorglich und ich war echt froh, dass ich jemanden wie ihn an meiner Seite hatte.

Wir verabredeten uns auf später, wir wollten zusammen Mittag essen und uns dann nochmal unterhalten. Ich legte auf und legte mich erstmal in mein frisch eingelassenes, heißes Bad. Die Badeöle und Düfte waren sehr wohltuend und entspannend und ich konnte mich wenigstens etwas ausruhen.

Dann überlegte ich nochmals für mich. Was hatte ich da gesehen? war es eine Art Vision gewesen? warum kamen in dieser Art Traum, die ich erlebt hatte, keine Menschen vor? Kein Opfer, keine Fußspuren, keine Nachbarn. Nur ich. Das war unheimlich. Ein bisschen erinnerte mich die Situation alleine zu sein im Schnee, verlassen und ein Autounfall an den Film "Silent Hill", den ich erst neulich auf DVD mal wieder angesehen hatte. Ich schmunzelte, denn ich stand auf solche Art Filme, doch wenn man es selbst erlebt, ist es doch wieder... anders.

Als ich dann aus der Wanne stieg und mich angezogen hatte, fühlte ich mich richtig lebendig. Heute strahlte die Sonne richtig und der Vergleich mit Silent Hill war schnell verdrängt.

Mittags kam dann Syr vorbei und holte mich ab. Wir wollten in unser Stammlokal gehen, jedoch mussten wir leider feststellen, dass es an diesem Tag wegen Renovierungsarbeiten geschlossen hatte. Also kehrten wir unverrichteter Dinge wieder zurück zu mir und ich kochte zusammen mit ihm ein kleines aber feines Essen.

Der Nachmittag lief dann ganz ruhig und die Ereignisse des Morgens schienen schon so fern und unwichtig, wie Hausaufgaben in den Ferien...

 

<fortsetzung folgt>

12.9.08 13:41


Chapter 6

"Du, ich muss leider los. Muss noch was besorgen und die Läden mahen gleich zu."

"Klar! Kein Problem! Sorry, dass ich dich so lange aufgehalten habe. Der Nachmittag war aber echt schön!", bedankte ich mich bei Syr und führte ihn zur Tür. Wir verabschiedeten uns und ich ließ ihn schweren Herzens gehen.  Ich habe nie ein gutes Gefühl, wenn er mit seinem Motorrad unterwegs ist, doch an diesem Tag war es irgendwie ein beklemmendes Gefühl. Die Stimmung war den ganzen Nachmittag wunderbar und echt gelöst gewesen. Doch nun schlug sie bei mir blitz schnell um. Ich beobachtete Syrian noch, wie er auf sein Bike stieg.

"Syr!"

Irgendetwas sagte mir, dass ich ihn wenigstens noch ein paar Minuten aufhalten musste. "Ja?", er schaute mich fragend an. "Ich äh... wollte dir noch sagen, dass du heute besonders aufpassen musst, ja?", antwortete ich und näherte mich ihm langsam. "Warum, was ist denn? Ich bin doch immer vorsichtig...", meinte Syr und sah mich, wie ich jetzt so vor ihm stand, recht verwirrt an. Ich wusste  nicht, was ich sagen sollte, deshalb stand ich nur vor ihm und umarmte ihn vorsichtig.Er erwiederte die Umarmung herzlich, schloss mich in seine Arme und drückte mich fest an sich. "Keine Sorge, ich weiß, was ich tue und ich fahre auch vorsichtig!" , flüsterte Syrian mir ins Ohr, danach wurde alles schwarz um mich herum.

Als ich wieder aufwachte, wusste ich, dass etwas schreckliches passiert war. Syrian war, als er die Straße zur Innenstadt genommen hatte, mit einem Baustellenfahrzeug zusammengeprallt, das außer Kontrolle rückwärts aus der Baustelleineinfahrt gerollt war. Er hatte nicht überlebt. Ich lag in meinem Bett und war tränenüberströmt, schrie nach Syrian und kreischte vor Schmerz. 

"Yoa! Was ist los? Was ist pasiert??", aufgeregt kam Syr ins Zimmer gerannt, sah mich erschrocken an. "Ich hielt kurz inne, um dann in weiteren Tränen zu versinken. Es ging ihm gut. Aber wie...? Ich wusste doch, was passiert war. Ich hatte es doch gerade eben gesehen! 

Syrian beugte sich zu mir und versuchte mich zu beruhigen. "Hey, hey. Alles ist okay. Du bist zuhause, in deinem Bett. Ich habe mich etwas um dich gekümmert, weil du plötzlich ohnmächtig geworden bist. Was war? Warum bist du mir plötzlich umgekippt?", fragte er mich, als ich mich einigermaßen gefangen hatte.

"Ich weiß es nicht", antwortete ich. "Ich weiß nur, dass ich etwas gesehen habe. Ich... ich habe gesehen, dass du einen Unfall hattest. Auf deinem Motorrad. Du warst... du..." Syr wusste, wie ich den Satz vollenden wollte, aber nicht konnte. "Ist schon gut, Yoa, es ist alles in Ordnung. Ich bin ja da und mir ist nichts passiert. Das war vielleicht wieder eine Art Vision, wie die von heute Morgen. Doch diesmal hat sie sich nicht bewahrheitet. Und das wird sie auch nicht. Ich bin bei dir geblieben, als du umgekippt bist, vielleicht hat mich das ja davor bewahrt." 

Er beugte sich zu mir und küsste mich. Ich war wirklich beruhigt. Es war sehr seltsam, aber ich fühlte mich ruhig. Da war nicht mehr dieses Gefühl, welches mir sagte, dass gleich etwas passieren würde. Ich wusste, dass Syr dem Unfall entgangen war. 

"Es tut mir leid. Jetzt hast du den ganzen Abend bei mir verbracht und konntest gar nicht mehr in die Stadt.", entschuldigte ich mich bei ihm. Er meinte darauf, dass er mir danken sollte, da ich ihm durch meine Ohnmacht den Unfall erspart hatte. Ich war mir da auf einmal nicht mehr so sicher, vielleicht wäre ja nichts dergleichen passiert. Doch was wenn doch...?

Dieser Gedanken ging mir nicht mehr aus dem Kopf und Syrian erklärte sich bereit, bei mir zu bleiben. So konnte ich wenigstens beruhigt sein, dass ihm nicht doch noch etwas zustieß. Wir schliefen bald ein und ich hatte die erste geruhsame Nacht seit einer Woche.

 

<fortsetzung folgt>

13.9.08 11:50


Chapter 7

Der nächste Morgen war traumhaft. Syr war etwas früher aufgestanden, hatte mir einen warmen Tee gemacht und ein Brötchen geschmiert. Frühstück am Bett! Das hatte ich mir schon lange gewünscht.

"Hey, kannst du Gedanken lesen?", fragte ich Syrian, als er mit einem kleinen Tablett an mein Bett trat. "Nein, aber ich dachte mir, ich kann dir damit was Gutes tun.", antwortete er lächeln. Als Dank bekam er einen Kuss.

Nachdem wir uns zusammen in mein Bett gekuschelt hatten und zusammen gegessen hatten, blieben wir noch eine Weile eng umschlungen liegen. Ich genoss die Wärme und Ruhe, die von Syr ausging. 

"Du?", unterbrach ich schließlich das Schweigen. "Wie spät ist es eigentlich?", fragte ich und richtete mich etwas auf, um auf den Wecker zu sehen. "Es ist noch recht früh am Morgen", sagte Syr darauf, hielt mich zurück und umarmte mich. "Keine Angst, heute verbringen wir einen schönen Tag zusammen, ja?", flüsterte er mir ins Ohr. "Aber du musst doch sicher noch viel besorgen und erledigen...?", setzte ich an, doch er unterbrach mich mit einem sanften Kopfschütteln. "Keine Sorge, wie schon gesagt: Ich nehme mir heute nur für uns Zeit."

Ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr, war ausgeruht und ausgeglichen, lachte, strahlte und fühlte mich einfach gut. Auch Syrian schien das auf zu fallen, denn er meinte, es sei schön, dass es mir wieder besser ginge. Lange schon war ich nicht mehr so befreit gewesen. 

Der gestrige Tag und diese "Visionen", wie wir beide es nun nannten, waren vergangen. Ich wusste tief in meinem Inneren, dass es nicht vorbei war. Aber ich wusste, dass ich mich veränderte - und dass es eine positive Veränderung war. Vielleicht war es der Gedanke, dass alles gut werden würde, aber vielleicht auch einfach nur Syrs Nähe, die mich so beflügelten. 

Wir rangen uns zu einem kalten Morgenspaziergang durch, als es etwa halb zehn war, durch. Wir wanderten langsam, Hand in Hand um den nahe gelegenen See, das Schilf war bedekt mit Scheeflocken und Raureif. Es war so schwer, dass es sich unter seiner Last beugte und der See hatte sein gesicht unter einer Dicken Eisschicht verborgen. Wie ein Schleier hingen Schnee und Eis über der Landschaft, die hier noch so ursprünglich zu sein schien, als ob wir die einzigen Menschen auf Erden wären. 

"Es ist wie ein Traum hier!", sagte ich und drehte mich einmal um die eigene Achse, als ob ich die welt umarmen wollte. "Ja. Und so schön ruhig.", meinte Syrian, der mich umarmte und mir einen Kuss auf die Nase gab. 

In jenem Moment passierte es: Ich fühlte, wie eine kalte Welle nach mir griff, mich verschlang und alles um mich herum war verschwunden. Ich hörte nichts, sah nichts, fühlte nur die eisige Kälte. Wie aus weiter Ferne sah ich nun Kinder vor mir. Sie spielten, fuhren an einem nahe gelegenen Hang Schlitten und lachten. Doch eines der Kinder lachte nicht. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Es war bläulich und ganz nass. Es zitterte.

Erschrocken riss ich die Augen auf. "Schnell!", rief ich und rannte aus Syrians Armen, die sich schützend um mich geschlungen hatten, als er gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte, richtung Schlittenhang.

Syrian zögerte nicht mir zu folgen, er holte auf - er war ein weitaus bessereer Läufer als ich - und ich konnte seinen Atem hören. 

Nach wenigen Sekunden kam der Schlittenhang in Sicht, wo tatsächlich Kinder spielten. Eines davon prahlte gerade noch, dass es mit vollem Tempo über die selbst gebaute Schneeschanze springen könnte, und fuhr auch schon los. Ich wusste sofort, dass es der Junge aus der Vision war. "Schnell, er wird in den See stürzen!", schrie ich. 

Syr und ich gaben alles, um den Jungen noch irgendwie zum Bremsen zu bringen, doch er war zu schnell. Wie in Zeitlupe glitt er über die Schanze, verlor dabei das Gleischgewicht und kullerte mitsamt dem Schlitten unkontrollirt auf den See zu. Ich  blieb voller Entsetzen stehen, denn ich hatte den Eindruck, dass der kleine Junge wärend des Fluges zu mir sah - und mich anlächelte. 

Syr war schneller. Er zögerte nicht so wie ich und sprang dem Jungen mit einem Hechtsprung hinterher, erreichte ihn nicht mehr rechtzeitig, um ihn ganz abzufangen aber packte ihn, so fest er konnte an seinen Klamotten. Der Junge landete mit einem lauten Krachen des Eises und Platschen des Wassers im See, doch Syr riss ihn sofort zurück und nutzte seinen eigenen Schwung dabei aus.

Beide landeten keuchend auf dem Uferboden und der Junge begann zu weinen. Ich rannte zu ihnen. 

"Syr! Ist alles in Ordnung?", ich half Syr hoch, stellte fest, dass er nur ein paar Wasserspritzer abbekommen hatte und war beruhigt. Der kleine Junge war nasser, wir fragten ihn, wo er wohnte und brachten ihn schnellstmöglich dort hin zurück.

"Vielen, vielen, vielen Dank!", rief Manuels Mutter, so hieß der Kleine,  wie wir rausfanden, als wir ihr alles erklärt hatten. Sie packte ihren Sohn in eine große Badewanne mit warmem Wasser und bot uns ein warmes Getränk an, was wir auch gerne annahmen. "Danke, dass  ihr ihn rausgeholt habt. Ich bin euch so dankbar! Wie konnte das nur passieren. Dabei sage ich ihm immer, er soll keinen Unfug machen, wenn er Schlitten fährt. Und vor Allem soll er sich vom See fern halten. Das bläue ich ihm schon Jahre lang ein!"

Manuels Mutter war eine sehr herzliche Frau. Sie verabschiedete uns schließlich, nachdem sie sich zwei Stunden lang bei uns bedankt hatte und wir uns etwas unterhalten hatten wieder und versprach, in nächster Zeit mal etwas vorbei zu bringen. 

"War das wieder eine deiner... Visionen?", fragte Syr leise, als Manuels Mutter die Tür hinter uns geschlossen hatte und wir uns auf den Rückweg zu meinem Haus machten. "Ja. Ich glaube schon. Es war aber anders diesmal."

"Ja, ich weiß. ich habe es gemerkt. Du warst nicht ohnmächtig. Du hattest einen ganz starren Blick und dein ganzer Körper hatte sich versteift. Wie in einem Schockzustand.", erzählte mir Syr. "Ich glaube, ich darf dich gar nicht mehr aus den Augen lassen.", setzte er bestimmt hinzu und beschloss innerlich, auch heute Abend bei mir zu bleiben. Nur für jeden Fall.

 

<fortsetzung folgt>

15.9.08 21:16





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