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Chapter 7

Der nächste Morgen war traumhaft. Syr war etwas früher aufgestanden, hatte mir einen warmen Tee gemacht und ein Brötchen geschmiert. Frühstück am Bett! Das hatte ich mir schon lange gewünscht.

"Hey, kannst du Gedanken lesen?", fragte ich Syrian, als er mit einem kleinen Tablett an mein Bett trat. "Nein, aber ich dachte mir, ich kann dir damit was Gutes tun.", antwortete er lächeln. Als Dank bekam er einen Kuss.

Nachdem wir uns zusammen in mein Bett gekuschelt hatten und zusammen gegessen hatten, blieben wir noch eine Weile eng umschlungen liegen. Ich genoss die Wärme und Ruhe, die von Syr ausging. 

"Du?", unterbrach ich schließlich das Schweigen. "Wie spät ist es eigentlich?", fragte ich und richtete mich etwas auf, um auf den Wecker zu sehen. "Es ist noch recht früh am Morgen", sagte Syr darauf, hielt mich zurück und umarmte mich. "Keine Angst, heute verbringen wir einen schönen Tag zusammen, ja?", flüsterte er mir ins Ohr. "Aber du musst doch sicher noch viel besorgen und erledigen...?", setzte ich an, doch er unterbrach mich mit einem sanften Kopfschütteln. "Keine Sorge, wie schon gesagt: Ich nehme mir heute nur für uns Zeit."

Ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr, war ausgeruht und ausgeglichen, lachte, strahlte und fühlte mich einfach gut. Auch Syrian schien das auf zu fallen, denn er meinte, es sei schön, dass es mir wieder besser ginge. Lange schon war ich nicht mehr so befreit gewesen. 

Der gestrige Tag und diese "Visionen", wie wir beide es nun nannten, waren vergangen. Ich wusste tief in meinem Inneren, dass es nicht vorbei war. Aber ich wusste, dass ich mich veränderte - und dass es eine positive Veränderung war. Vielleicht war es der Gedanke, dass alles gut werden würde, aber vielleicht auch einfach nur Syrs Nähe, die mich so beflügelten. 

Wir rangen uns zu einem kalten Morgenspaziergang durch, als es etwa halb zehn war, durch. Wir wanderten langsam, Hand in Hand um den nahe gelegenen See, das Schilf war bedekt mit Scheeflocken und Raureif. Es war so schwer, dass es sich unter seiner Last beugte und der See hatte sein gesicht unter einer Dicken Eisschicht verborgen. Wie ein Schleier hingen Schnee und Eis über der Landschaft, die hier noch so ursprünglich zu sein schien, als ob wir die einzigen Menschen auf Erden wären. 

"Es ist wie ein Traum hier!", sagte ich und drehte mich einmal um die eigene Achse, als ob ich die welt umarmen wollte. "Ja. Und so schön ruhig.", meinte Syrian, der mich umarmte und mir einen Kuss auf die Nase gab. 

In jenem Moment passierte es: Ich fühlte, wie eine kalte Welle nach mir griff, mich verschlang und alles um mich herum war verschwunden. Ich hörte nichts, sah nichts, fühlte nur die eisige Kälte. Wie aus weiter Ferne sah ich nun Kinder vor mir. Sie spielten, fuhren an einem nahe gelegenen Hang Schlitten und lachten. Doch eines der Kinder lachte nicht. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Es war bläulich und ganz nass. Es zitterte.

Erschrocken riss ich die Augen auf. "Schnell!", rief ich und rannte aus Syrians Armen, die sich schützend um mich geschlungen hatten, als er gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte, richtung Schlittenhang.

Syrian zögerte nicht mir zu folgen, er holte auf - er war ein weitaus bessereer Läufer als ich - und ich konnte seinen Atem hören. 

Nach wenigen Sekunden kam der Schlittenhang in Sicht, wo tatsächlich Kinder spielten. Eines davon prahlte gerade noch, dass es mit vollem Tempo über die selbst gebaute Schneeschanze springen könnte, und fuhr auch schon los. Ich wusste sofort, dass es der Junge aus der Vision war. "Schnell, er wird in den See stürzen!", schrie ich. 

Syr und ich gaben alles, um den Jungen noch irgendwie zum Bremsen zu bringen, doch er war zu schnell. Wie in Zeitlupe glitt er über die Schanze, verlor dabei das Gleischgewicht und kullerte mitsamt dem Schlitten unkontrollirt auf den See zu. Ich  blieb voller Entsetzen stehen, denn ich hatte den Eindruck, dass der kleine Junge wärend des Fluges zu mir sah - und mich anlächelte. 

Syr war schneller. Er zögerte nicht so wie ich und sprang dem Jungen mit einem Hechtsprung hinterher, erreichte ihn nicht mehr rechtzeitig, um ihn ganz abzufangen aber packte ihn, so fest er konnte an seinen Klamotten. Der Junge landete mit einem lauten Krachen des Eises und Platschen des Wassers im See, doch Syr riss ihn sofort zurück und nutzte seinen eigenen Schwung dabei aus.

Beide landeten keuchend auf dem Uferboden und der Junge begann zu weinen. Ich rannte zu ihnen. 

"Syr! Ist alles in Ordnung?", ich half Syr hoch, stellte fest, dass er nur ein paar Wasserspritzer abbekommen hatte und war beruhigt. Der kleine Junge war nasser, wir fragten ihn, wo er wohnte und brachten ihn schnellstmöglich dort hin zurück.

"Vielen, vielen, vielen Dank!", rief Manuels Mutter, so hieß der Kleine,  wie wir rausfanden, als wir ihr alles erklärt hatten. Sie packte ihren Sohn in eine große Badewanne mit warmem Wasser und bot uns ein warmes Getränk an, was wir auch gerne annahmen. "Danke, dass  ihr ihn rausgeholt habt. Ich bin euch so dankbar! Wie konnte das nur passieren. Dabei sage ich ihm immer, er soll keinen Unfug machen, wenn er Schlitten fährt. Und vor Allem soll er sich vom See fern halten. Das bläue ich ihm schon Jahre lang ein!"

Manuels Mutter war eine sehr herzliche Frau. Sie verabschiedete uns schließlich, nachdem sie sich zwei Stunden lang bei uns bedankt hatte und wir uns etwas unterhalten hatten wieder und versprach, in nächster Zeit mal etwas vorbei zu bringen. 

"War das wieder eine deiner... Visionen?", fragte Syr leise, als Manuels Mutter die Tür hinter uns geschlossen hatte und wir uns auf den Rückweg zu meinem Haus machten. "Ja. Ich glaube schon. Es war aber anders diesmal."

"Ja, ich weiß. ich habe es gemerkt. Du warst nicht ohnmächtig. Du hattest einen ganz starren Blick und dein ganzer Körper hatte sich versteift. Wie in einem Schockzustand.", erzählte mir Syr. "Ich glaube, ich darf dich gar nicht mehr aus den Augen lassen.", setzte er bestimmt hinzu und beschloss innerlich, auch heute Abend bei mir zu bleiben. Nur für jeden Fall.

 

<fortsetzung folgt>

15.9.08 21:16
 


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